Wiler Zeitung / Wände werden zu Gemälden
Oberuzwil. Wände würden es verdienen, mit anderen, grossen Augen betrachtet zu werden, sagt David Giger. Er hat auf seinen Reisen viele von ihnen fotografiert. Seine Ausstellung in der Galerie Fafou in Oberuzwil trägt den Titel «Wall on Wall».
Sein Projekt «Wall on Wall» sei eine Hommage an die Wände auf dieser Welt, sagt David Giger. «Wände verdienen es, mit anderen Augen betrachtet zu werden.» In der Hauptstadt Lettlands, in Riga, hatte er begonnen, Wände zu fotografieren. Inzwischen umfasst sein Projekt Fotografien von Wänden aus 16 Ländern. Viele davon hat er auf seinen Reisen durch Asien aufgenommen.
Einen Querschnitt seines Projekts zeigt er ab Samstag in der Oberuzwiler Galerie Fafou. Es ist seine erste Ausstellung. «Mit der Ausstellung kann ich Wände auf Wände bringen», sagt Giger.
Wände mit Charakter
Wann immer der Bischofszeller auf Reisen ist, fotografiert er Wände. «Sie sind etwas Essenzielles für uns Menschen. Wände schenken uns ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit.» Alte, verwitterte, mit Graffiti verschmierte und durch Gewalt verunstaltete Wände haben es Giger besonders angetan. «Solche Wände haben es verdient, mit grossen Augen betrachtet zu werden. Denn alt ist nicht gleich hässlich, schmutzig nicht gleich abstossend und verwittert nicht gleich schäbig. Genau wie Falten Gesichtern Charakter verleihen, geben diese <Makel> den Wänden Charakter.»
David Giger lässt seine Fotografien auf Leinwand drucken. Sie wirken auf den Betrachter wie Gemälde. Doch die Bilder sind Ausschnitte und Detailaufnahmen von Wänden, die er auf seinen zahlreichen Reisen festgehalten hat. Wände von Häusern, Baracken, Baustellen, Containern und Mülltonnen. «Ich bin zu Fuss und meistens in den Hintergassen unterwegs. So entdecke ich, wonach ich suche», sagt Giger.
Farben, Kontraste und Konturen faszinieren ihn. Verwitterte Farben, Rostflecken, Dreck, Vogelkot vermischen sich zu eindrücklichen Kompositionen.
Kontrast zur sterilen Moderne
«Wall on Wall» sei ein farbiger Aufschrei gegen die Sterilität der Moderne, sagt Giger. «In der Schweiz wird alles frisch gestrichen, verwitterte oder verunstaltete Wände übermalt. Es hat keinen Platz mehr für die Spuren der Zeit.» Der Bischofszeller findet diese in Ländern wie Kambodscha, Philippinen, Sri Lanka oder Kosovo und Bosnien-Herzegowina. Berührungsängste hat er keine. «Auf meinen Reisen treffe ich auf viele arme, aber sehr freundliche und fröhliche Menschen. Ihre Bescheidenheit und Lebensfreude faszinieren mich. Auch die Wände, die ich in ihrer Umgebung fotografiere, sind voller Leben.»
