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Malereien und geheimnisvolle Lichtkörper in der Galerie Fafou in Oberuzwil
Zwei jungen Frauen haben sich getraut, ihr Hobby öffentlich zu machen. Nicole Högger aus Bichwil verwendet alte Plakate und übermalt diese zu neuen Kunstwerken. Catherine Rezzoli aus St.Gallen sucht in Flohmärkten nach geeigneten Materialien, um daraus effektvolle Lampen zu kreieren. Gemeinsam stellen sie zurzeit in der Galerie Fafou an der Freudenbergstrasse 1 in Oberuzwil aus.
Besondere Atmosphäre
Man sollte diese Ausstellung in der Dämmerung besuchen, wenn die Lampen ihr warmes Licht sichtbar aussenden. Man ist sich ja nicht unbedingt gewohnt, bei einer Bilderausstellung auch an die Decke zu schauen. Bei dieser Ausstellung ist dies jedoch von Vorteil, sonst verpasst man einen grossen Teil der gediegenen Ausstellung.
Grossandrang an Vernissage
Viele Leute besuchten die Vernissage am Abend des 1.Mai. Die Ausstellerinnen hatten ihren „Tag der Arbeit“ allerdings schon früher gehabt. Sie hatten ihre Werke in Eigenregie aufgehängt, wobei Nicole Högger im persönlichen Gespräch stolz darauf verwies, dass ihr Mann Patrick ihr beim Platzieren sehr geholfen habe, allein wäre das nicht zu schaffen gewesen. Man hatte das Gefühl, die Bilder und Lampen würden schon immer im Raum hängen, so gekonnt war alles am richtigen Platz. Andrea Flammer vom hauseigenen Fafou-Team hielt die Laudatio.
Nicole Högger
Nicole Högger malt, seit sie denken kann. Sie hat bereits vor Beginn eines Werks eine ungefähre Vorstellung vom Endergebnis. Ihr ist der Gebrauch bereits bestehender (Papier-)Flächen aus Umweltgründen wichtig. Sie sucht auch ganz gezielt nach Versatzstücken, welche sie in ihre Bilder hineinkomponieren kann. Einmal ist das eine besondere Briefmarke, ein andermal ein Stück Spitze. Sie arbeitet oft Wochen, manchmal gar Monate an einem Bild. Zwei bis drei Mal pro Woche setzt sie sich zwei bis drei Stunden an die Staffel in ihrem Atelier ausser Haus, um sich ihrem liebsten Hobby hinzugeben.
Sie hat bereits letztes Jahr der Galerie Fafou im Rahmen einer Gemeinschaftsausstellung ausgestellt. An der Schule für Gestaltung hat sie vertiefte Kenntnisse für ihre Lieblingstätigkeit erworben und dabei im Erwachsenen-Vorkurs(Teilzeit) auch Catherine Rezzoli kennengelernt. Sie bewundert deren Gestaltungskraft und Präzisionsarbeit.
Catherine Rezzoli
Erst seit ungefähr einem halben Jahr hat sich Catherine Rezzoli mit dem Gestalten von Lichtkörpern auseinandergesetzt, um eine neue Herausforderung für die Ausstellung mit Nicole Högger zu haben. Dabei hatte sie bei jedem Objekt anfänglich eine Wunschvorstellung über dessen Aussehen, was sich aber im Verlauf der Arbeit immer wieder veränderte. Einer ihrer Lieblingsläden ist deshalb auch ein Stofflädeli. Dort lässt sie sich vom Angebot inspirieren. Einzige Vorgabe: Der Stoff muss weiss sein.
Gerne verwendet sie Spitzen, welche mit Nicole Höggers Collagen ganz besonders gut harmonieren, findet man das gleiche Material doch auch darin. Auch sie liess sich gestalterisch ausbilden und wird nächstens ein „Studium Produktdesign FH“ beginnen. Im Hauptberuf ist sie Informatikerin/Technikerin bei Radio FM1, da sind solche „Ausbrüche“ in kreative Welten ein wunderbarer Ausgleich. Sie ist sicher, dass dies nicht ihre letzte Lampenausstellung gewesen sein wird. Man darf auf neue Kreationen gespannt sein…
Ganz spezielle Unterlage
Nicole Högger malt auf alte Plakate, was schon etwas über die Formate aussagt, die grösstenteils ziemlich gross sind. Es gibt aber auch eine ganze Zeile kleinformatiger Werke, die wie kleine Würfel eine ganze Wand schmücken. Immer wieder wird so ein Bild übermalt, wobei der Untergrund weiterhin durchschimmert. Jedes der teilweise recht grossformatigen Bilder fordert zu einer Auseinandersetzung mit dem Gezeigten auf.
Je nach Sichtweise interpretiert man dabei ganz verschiedene Dinge in die Absicht der Künstlerin hinein. Das warme Licht, welches aus Rezzzolis Objekten als eine Art Überbau über den Bildern schwebt, macht die ganze Ausstellung zu einem Gesamtkunstwerk.
Schwebende Lichtkörper
Die Lichtspender von Catherine Rezzoli strahlen eine ganz eigene Ruhe aus. Sie sind alle in cremefarbenen Tönen gehalten, bringen damit viel Licht und Wohlbehagen in einen Raum. Ihre Formen sind verspielt, unüblich, aus ganz verschiedenen Materialien „zusammengebaut.“ Da gibt es gehäkelte kleine Deckchen – allerdings nicht selbstgemacht, sondern irgendwo gefunden und kreativ in andere Formen eingepasst -, die durch die vielen Luftlöchlein Licht durchlässig sind. Nicht umsonst werden gewisse Häkelmuster auch mit „Luftmaschen“ fabriziert.
Mit einem speziellen Stärkemittel werden die textilen Teile gefestigt, damit sie in Form gebracht werden können. Ein Lämpchen sieht wie ein umgedrehtes Tülpchen aus, ein anderes wie ein Vollmond. Ein ganz speziell geformter Lichtkörper könnte man sich gar in einem düsteren Gruselfilm als Geist durch den Raum schwebend vorstellen.
Musikalische Untermalung
Nicht unbedingt den angenehmsten Job hatte an der Vernissage der Musiker Andy McSean, musste er doch gegen das Geplauder der vielen Vernissage-Gäste anspielen. Als ehemaliger Strassenmusiker ist er sich das zwar vermutlich gewohnt. Einige Leute hörten ihm dennoch zu, waren ganz Ohr und zeigten so ihre Wertschätzung für seine Musik. Mehr zu diesem Musiker, welcher es bis in den Schweizer Final des „Eurovision Song-Contest“ geschafft hatte, kann mit dem Link im Kasten nachgelesen werden. Man wird noch von diesem jungen Mann hören…
Galerie Fafou
Unterdessen hat sich die Galerie Fafou etabliert. Immer wieder bietet sie kreativen Leuten die Möglichkeit, eigene Werke in den Räumen an der Freudenbergstrasse 1 in Oberuzwil auszustellen und sich damit bekanntzumachen. Da wird viel Herzblut und Zeit investiert, um jungen – oder erstmals ausstellenden – Menschen die Möglichkeit zu geben, in den Fafou-Räumen ihre Sicht der Welt zu zeigen. Die sehr persönliche Betreuung durch das Fafou-Team macht es leicht, zu einem guten Ergebnis zu kommen.
Bericht von Annelies Seelhofer-Brunner
